Da ich schon so lange ein Schildkrötenpärchen habe, stand für mich schon sehr früh fest, dass ich zumindest einmal Nachwuchs von meinen Tierchen ausbrüten möchte. Da Schildkröten jedoch sehr langsam wachsen und auch erst ab 10 Jahren geschlechtsreif werden, musste ich mir mich sehr lange gedulden, bis Emma das erste Mal Eier legte und hatte sehr viel Zeit mich mit der Materie zu befassen. Wir kauften damals Bücher, einen Inkubator und Vermikulit, ein Substrat in das die Eier gelegt werden mussten. Ich las viel über die Theorie, machte mich im Internet schlau und musste letzten Endes noch sehr lange warten, bis Emma die ersten Eier legte. Das war damals und ist es heute noch einer der spannendsten Momente. Emma läuft schon Tage vor der Eiablage suchend durchs Gehege, frisst nicht mehr viel, schnuppert überall und gräbt zahlreiche Testlöcher. Diese gräbt sie nicht sehr tief und lässt sie immer offen zurück. Ist der große Moment endlich gekommen, in dem sie die richtige Stelle zur Eiablage gefunden hat, gräbt sie mehr als eine Stunde ein tiefes Loch in den Boden. Dabei stellt sie sich sehr, sehr geschickt an. Sie sucht sich mit den Vorderbeinen einen sicheren Halt und gräbt nur mit den Hinterbeinen ein 10cm tiefes Loch mit einem Durchmesser von etwa 7cm. Dabei ist es sehr faszinierend, dass sie ja gar nicht sehen kann was sie tut, sondern alles nur mit den Hinterfüßen ertasten kann. Kommt sie mit den Hinterbeinen nicht mehr tiefer, fängt sie an zu drücken und legt meist im 5 Minuten Rhythmus 2-4 Eier, die sie dann mit ihren Hinterfüßen ordentlich sortiert. Ist aus ihrer Sicht alles ordentlich, beginnt sie ganz vorsichtig damit, alles wieder mit Erde zu bedecken. Am Ende drapiert sie sogar die Pflanzen wieder so, dass man vom Gelege nichts mehr sehen kann. Ist ihr Job damit erledigt, zieht sie von dannen und überlässt die Eier ihrem Schicksal.
An diesem Punkt beginnt dann meine Arbeit. Da es bei uns für die Eier zu kalt ist, grabe ich sie ganz vorsichtig aus. Dabei ist es wichtig, die Eier nicht mehr zu drehen. Oben muss immer oben sein. Das hat den Grund, dass der Embryo im Ei immer oben auf seinem Dotter liegt. Dreht man das Ei um, dann wird der Embryo quasi von seinem Dotter erstickt und stirbt. Um dies nicht zu riskieren, bekommen die Eier sofort eine Markierung und werden mit einer Nummer versehen. Dann werden sie in ein feuchtes Sand-Erde-Gemisch gelegt. Die ersten Eier, die Emma gelegt hat, haben wir immer versucht in Vermikulit zu bebrüten, da sich jedoch nie etwas entwickelt hat, bin ich auf Sand und Erde umgestiegen. Da die Schildkrötenweibchen in der Natur auch kein Vermikulit zur Verfügung stehen haben, sondern auch nur in der Erde bebrüten lassen, erschien mir dies logischer. Und sieh an, ab dem Zeitpunkt klappte es und Flora schlüpfte. Sind die Eier nun richtig gebettet, kommen sie bei 34 Grad in den Inkubator. Diese Temperatur ist ebenfalls nicht willkürlich gewählt. Die Bruttemperatur in der Natur beträgt im Durchschnitt etwa 30 Grad. Dabei gibt es immer mal Jahre, in denen es nur 29 Grad warm ist, manchmal aber auch über 30 Grad. Dies ist daher wichtig, dass die Temperatur bei Schildkröten darüber entscheidet, ob die bebrüteten Tiere männlich oder weiblich sind. Sind die Temperaturen über 30 Grad, schlüpfen überwiegend Weibchen, liegt die Temperatur darunter gibt es hauptsächlich Jungen. Da in der Haltung Männchen jedoch schwieriger sind, da es eher zu Kämpfen, Streitigkeiten und Verletzungen kommen kann, ist die Bebrütung auf Weibchen sinnvoller. Dann heißt es erst einmal geduldig sein, denn die Entwicklung im Ei dauert etwa 60 bis 80 Tage. Aber irgendwann ist es dann zu weit und das erste Ei hat den ersten Knacks und das Schlüpfen beginnt. Es kann bis zu 2 Tage dauern, bis die zerknautschten Babys ihre Eierschalen hinter sich gelassen haben. Aber sind sie erstmal geschlüpft ist es faszinierend zu sehen, dass die Kleinen schon alles genauso können, wie die Großen. Sie können laufen, fressen und machen schon das ganze Babygehege unsicher.
Bevor ich die Kleinen letzten Endes in gute, neue Hände abgebe, ist es mir wichtig, dass die Tiere das erste Mal vom Tierarzt untersucht wurden und den ersten Winterschlaf hinter sich gebracht haben. Sind dann alle nötigen CITES-Papiere ausgestellt, können die Kleinen den weg in ihr neues Zuhause antreten.

Das Babygehege

Im Brutkasten

Nach dem Schlupf erstmal ausknautschen

Am Ende sind die kleinen Schildkröten perfekt